Radlhauptstadt München – eher Wunschtraum als Wirklichkeit – Münchner ÖDP im Stadtrat fordert endlich Maßnahmen!

München, 14.07.2015

Überfüllte Radwege, chaotische Straßenverhältnisse, unklare Wegeführung und ein miserables Abschneiden beim Copenhagenize Index 2015 – all das lässt die ÖDP im Münchner Stadtrat stark an der bisherigen Strategie der Stadtverwaltung hinsichtlich des Radverkehrs zweifeln. Doch wo genau liegen eigentlich die Schwachpunkte und warum geht eigentlich nichts voran – hatte der Münchner Stadtrat doch für 2015 zehn Millionen Euro für den Radverkehr vorgesehen? Die beiden Münchner ÖDP-Stadträte, Tobias Ruff und Sonja Haider, legen nun in einem Antragspaket die gröbsten Schwachstellen in München offen und fordern eine rasche Verbesserung und Priorisierung des Radverkehrs in München. Die Anträge wurden parallel zur Stadtratsreise nach Amsterdam eingebracht und werden im Folgenden dargelegt.

1.    Radlstadt München soll international wieder wettbewerbsfähig werden

München und das Radfahren sind international durchgefallen. 2011 noch auf Platz 6 in der internationalen Radlwertung für Städte, dem sogenannten Copenhagenize Index[1], gefiel im Jahr 2013 den Bewertern die Öffentlichkeitskampagne und der Wert von 17 % Radlverkehr am Gesamtverkehr noch, sie mahnten aber bereits Weiterentwicklungen in der Infrastruktur an. 2015 fiel München ganz aus der Wertung der 20 besten Radlstädte der Welt. Auch die Teilnehmer am ADFC-Radlklimatest im Herbst 2014 konnten sich nicht wirklich für München begeistern – im Ergebnisranking stagniert München auf Platz 12 von 36 deutschen Großstädten und das trotz der gut ausgestatteten Radlhauptstadtkampagne. „Erfolgreiche Radverkehrsplanung und Radverkehrsmarketing sehen anders aus“, so die beiden Stadträte. Dass die aktuellsten Zahlen zum Radverkehr in München aus einer Erhebung von 2008 stammen, also sieben Jahre alt sind, spräche ebenso Bände. „Viele Städte gehen mit deutlich mehr Engagement, Initiative und konkreten Umbaumaßnahmen daran, die Radler für sich zu gewinnen“, so der ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff. „München täte gut daran, jetzt endlich die bekannten Probleme anzugehen und auf Worte, wie z.B. „Radlhauptstadt“, Taten folgen zu lassen.“

2.    Neuer Radskeller unter dem Marienhof

München benötigt überdachte und sichere, abschließbare Abstellanlagen!

Dazu die ÖDP-Stadträtin Haider: „Schutz vor Wetter und Diebstahl? Abgeschlossene Fahrradparkhäuser oder Boxen? Ausreichende Abstellplätze an MVV Stationen? – In München leider absolute Fehlanzeige.“ Bei geschätzten 1,5 Millionen Fahrrädern (laut statistischer Erhebung von 2008 mit zwei Fahrrädern pro Haushalt, hochgerechnet auf die aktuellen Haushalte) in München klingen die umgesetzten Abstellanlagen eher lächerlich:

2003: 280 Abstellplätze am Kieferngarten, doppelstöckig
2009: 80 in Feldmoching, 154 in Berg am Laim
2012: 1155 in Pasing und 392 im Olympia-Einkaufszentrum
Das macht zusammen ganze 1.781 Stellplätze in 12 Jahren!

Auf einen ÖDP-Antrag vom Dezember 2014 zu einem Fahrradparkhaus-Konzept antwortete die Stadtverwaltung, dass dem Anliegen bereits entsprochen würde, dass die Möglichkeiten aber aufgrund von anderen Nutzungsansprüchen auf vorhandene Flächen limitiert seien. „Wer zum Beispiel einmal an den bekannten Umsteigeplätzen der MVG versucht hat, sein Radl abzustellen, der sieht sofort, dass es mitnichten ausreichend Abstellplätze gibt – und von überdachten oder gar sicheren Abstellanlagen kann da wirklich absolut keine Rede sein. So viele Städte machen es bereits erfolgreich vor, aber München tut so, als gäbe es gar keine Radlparkhäuser. Wir fangen deshalb gleich mit einem markanten Platz in München an und fordern einen Radkeller gleich hinter dem Rathaus!“, so die ÖDP-Stadträtin Haider.

3.    Unverzügliche Fertigstellung des Radwegs Hauptbahnhof – Laim – Pasing

Eigentlich ein hervorragendes Infrastrukturprojekt: 5,5 km vom Münchner Westen bis zum Hauptbahnhof ohne Ampeln und Kreuzung und zum Teil im grünen Dschungel. Doch was bereits im Jahr 2006 geplant war, harrt immer noch der Fertigstellung. Nachdem die Baustelle für den möglichen 2. S-Bahn-Stammstrecken-tunnel dort geplant ist, wird seit Jahren die Fertigstellung verzögert. Nicht einmal für ein Provisorium kann sich das Baureferat begeistern. Deshalb haben in einer Aktion am 11. Juli 2015 die Bürgerinnen und Bürger vor Ort einfach selbst zur Schaufel gegriffen und einen Teil der Strecke ausgebessert. Die Initiatorin der Aktion, die ÖDP-Stadträtin Sonja Haider dazu: „Hätten wir jetzt nicht einfach selber Hand angelegt, dann würden wir noch weitere Jahre warten und müssten einen Weg mit unzähligen Schlaglöchern in Kauf nehmen. Das wollten wir uns und den Kindern, die den Weg als Schulweg benutzen, nicht weiter zumuten“.
4.    Radmagistrale Würm

Neben der oben dargestellten Radstrecke Hauptbahnhof – Laim – Pasing fehlt zudem noch ein weiteres Stück im Radwegenetz im Münchner Westen, da weitere Gebiete in den nächsten Jahren erschlossen werden (z.B. Allach: Oertelplatz, Hirmerei, Diamaltgelände, Junckersgelände) und dort somit auch der Verkehr weiter zunehmen wird. In der diesjährigen Bürgerversammlung des Stadtbezirks 23 wurde erneut klar, dass die Verkehrsachse Eversbuschstraße in Richtung Nord/Süd an den Leistungsgrenzen angelangt ist. Entlang der Würm besteht bereits ein gemeinsamer Fuß- und Radweg weitgehend abseits des Autoverkehrs im Grünen. Allerdings ist er zu schmal, um Fußgängern und Radfahrern ausreichend Platz zu bieten. Eine Radmagistrale in vernünftiger Breite kann den Nahmobilitätsbedarf befriedigen und eine strategisch wichtige Verkehrsfunktion in Allach/Untermenzing übernehmen. „Auch hier ist die Stadt München gefordert, endlich Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb fordern wir eine Radmagistrale entlang der Würm“, so die ÖDP-Stadträtin Sonja Haider.

5.    Weiteres

„Es gäbe noch einiges an Kritik, z.B. fehlt ein Innenstadt-Radlrouten-Konzept – man denke nur an die Touristen, die München gern vom Rad aus entdecken wollten. Allerdings gibt es auch einige wenige gute Meldungen: So wird das Miet-Rad-System des MVG in den nächsten Wochen starten. Auch wenn es sich noch zeigen muss, ob die eher hohen Gebühren die erwarteten Nutzermengen anziehen“, so die Stadträte der ÖDP.

Die beiden ÖDP-Stadträte fordern die Stadt München auf: „Machen Sie endlich Ernst mit Ihren Absichten, München zur Radlhauptstadt zu machen. Andere Städte in Europa haben längst die großen Vorteile des Radfahrens entdeckt und fördern es gezielt. Paris wird bis 2020[2] 150 Millionen in den Radverkehr stecken, London will von 2013 bis 2023 sogar 1 Milliarde Euro in die Fahrradinfrastruktur investieren – und das sind noch nicht mal die Leuchtturmstädte wie Kopenhagen und Amsterdam. Zeigen Sie also richtiges Engagement: Bauen Sie große Fahrradtrassen und abgeschlossene Parkhäuser, und bringen Sie die Bürgerinnen und Bürger aufs Radl!“


[1]  http://copenhagenize.eu/index/index.html

[2] http://www.zukunft-mobilitaet.net/117042/urbane-mobilitaet/radverkehr-paris-radwege-radschnellwege-rev-foerderung-abstellanlagen/

20150714 PM Wunschtraum Radlhauptstadt München

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