29. September // Heizpilze in München: Was wurde aus dem Klimanotstand?

Wirtschaftsförderung sticht Klimanotstand? Es scheint, als wollten die großen Parteien ihre Biermarken nicht gefährden. Darum haben sie heute einfach mal den Einsatz von Heizpilzen im Herbst und Winter durchgewunken. Sogar die Grünen stimmten erneut für die Klima-Killer…

Fast alle waren im Dezember 2019 begeistert dabei, als es um die Ausrufung des Klimanotstands ging. Den Münchnerinnen und Münchnern wurde versprochen, dass dem Schutz unserer Umwelt und des Klimas ein höherer Stellenwert eingeräumt werden wird. Ein wichtiger, aber auch überfälliger Schritt, wenn man die besorgniserregenden Klimaentwicklungen überall auf der Welt bedenkt.

Und dann kam Corona… In der heutigen Beschlussvorlage zum Einsatz von Heizstrahlern fehlt nun ganz offensiv jegliche Klimaschutzprüfung: ein klarer Verstoß gegen die Beschlüsse des Klimanotstandes und ein Verrat an künftigen Generationen!

Auch, dass nur Elektro-Heizpilze genehmigt werden, kann die Weste der Klima-Sünder nicht reinwaschen. Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass die stündlichen CO2-Emissionen, auf die jeweils beheizbare Fläche bezogen, bei gasbetriebenen und elektrischen Heizstrahlern etwa gleich hoch liegen.[1] Außerdem kann, solange in das Münchner Stromnetz nicht zu 100% Ökostrom eingespeist wird, der für Heizstrahler verwendete Ökostrom nicht für andere Anwendungen genutzt werden. Der Ökostrombezug führt also faktisch zu keinen geringeren CO2-Emissionen.

Der ausgerufene Klimanotstand ist nicht durch einen Corona-Notstand obsolet geworden und der Klimawandel wartet nicht, bis das SARS-CoV-2-Virus keine Gefahr mehr ist.

[1] www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3735.pdf

Tobias Ruff, Fraktionsvorsitzender:

„Könnte man mit den Redebeiträgen der großen Drei die Freischankflächen heizen, wären unsere Probleme auf einen Schlag gelöst: Die heiße Luft, die sie fabrizieren, würde für die nächsten zehn Winter locker reichen. Für mehr sind die Lippenbekenntnisse zum Klimanotstand und Umweltschutz ohnehin nicht zu gebrauchen. Ja, wir brauchen Konzepte, wie wir die Wirte und das Gewerbe in München zukunftsfit machen können. Ja, Corona stellt eine Herausforderung dar, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten nicht gekannt haben. Ja, die Auswirkungen sind vielerorts schmerzhaft und existenzbedrohend. Aber all das gilt auch für den Klimawandel – und gegen den wird es nie eine Impfung oder ein Medikament geben.“

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