27. Oktober // Pop-Up-Bike-Lanes: OB und SPD bremsen Radfahrer aus

Aus der Radl-Traum: Die fünf Münchner Pop-Up-Radwege werden wieder abgebaut. Wurde dem Oberbürgermeister der Druck der Auto-Lobby doch zu groß oder hat seine Rad-Affinität, wie erwartet, den Kommunalwahlkampf nur wenige Monate überleben können?
 
Berlin, Leipzig, Hamburg, Wien, Budapest, Mailand, Paris, Vancouver, Calgary … die Liste der Städte, die in diesem Jahr Pop-Up-Bike-Lanes eingerichtet haben, ist lang. Auch in München war die Begeisterung groß, als im Juni in fünf Straßen die gelben Radwege abmarkiert wurden. Sogar der Oberbürgermeister war zur Eröffnung (wenngleich nicht mit dem Radl) vor Ort.
 
Doch nun soll schon wieder Schluss sein, mit der Verkehrswende; die Pop-Up-Bike-Lanes sollen in München wieder ausradiert werden. Sang- und klanglos hätte die Rathausregierung die temporären Radwege auslaufen lassen, hätten die Fraktionen DIE LINKE/DIE PARTEI und ÖDP/FW nicht per Dringlichkeitsantrag eingefordert, dass die Evaluierung dem Stadtrat rechtzeitig vorgelegt wird. Noch im Mai wurde nämlich beschlossen, dass der Stadtrat im Oktober über das weitere Vorgehen entscheiden soll – eine zeitliche Befristung war keinesfalls final vorgesehen.
 
So sieht sie also aus, die viel propagierte gerechte Neuaufteilung des Straßenraums: Viel Lärm und Farbe für ein paar Wochen Radlparadies und Verkehrssicherheit. Doch das reicht natürlich nicht aus: Die Pop-Up-Bike-Lanes wurden an Stellen errichtet, wo sich Autos, Straßenbahnen, Busse, der Lieferverkehr und die Radlerinnen und Radler gefährlich nahekommen. Allein in der Rosenheimer Straße haben in den letzten Jahren zwei Fahrradfahrer ihr Leben verloren. Die Evaluierung hat eindrucksvoll gezeigt, dass die neuen Radwege hier auch dauerhaft für mehr Sicherheit sorgen könnten – und, dass die Staus vor allem auf Baustellen in der Nähe zurückgehen. Der Rückbau ist daher ein fataler Fehler, da die Radlerinnen und Radler wieder einem erhöhten Risiko ausgesetzt werden.
Sonja Haider, Radbeauftragte, mobilitätspolitische Sprecherin:
Verkehrssicherheit braucht keine zeitliche Befristung und weder die Corona-Pandemie noch der Klimawandel werden warten, bis sich die Rathausregierung mal einig wird, ob sie nun die Mobilitätswende wollen oder nicht. Corona hat als Katalysator gewirkt: Die Zahl der Radfahrer hat in München um ein Viertel zugenommen. Eine faire Aufteilung der Verkehrsräume muss das dauerhaft widerspiegeln.“

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